Weltflüchtlingstag

Meine Mutter hat sich immer gegen den Muttertag gewehrt. Sie meinte, der Muttertag sei dazu da, an einem einzigen von 365 Tagen der eigenen Mutter auch einmal zu helfen, dankbar zu sein – und an den anderen nicht einmal ein schlechtes Gewissen zu haben.

Ähnlich teilen wir am Earth Day Cartoon-Zeichnungen unseres grünen Planeten – ohne ihm deshalb weniger Schaden zuzufügen. Und am Weltflüchtlingstag? Stehen vermutlich alle dem Thema Flucht genauso gegenüber, wie vorher.

Sichtbarkeit allein bringt beim Thema Flucht nicht viel –das Thema Flucht ist omnipräsent in politischen und populistischen Programmen, und damit schon dermaßen in den Köpfen, dass die Bilder aufpoppen, sobald jemand mit dunklerer Haut oder Bart in die U-Bahn steigt.

Wie wär’s mit einem Tag der Menschlichkeit? Einem rassismusfreien Monat? Einem Jahr der Gemeinschaftlichkeit? Einer Reduzierung der Hass-Emissionen bis 2020? Wie wäre es, wenn wir Themen nicht an bestimmten Tagen auf bestimmte Weise zum Thema machen – sei das im Wahlkampf oder am Weltflüchtlingstag – und wenn wir nicht mehr Menschen zu Themen machen? Menschen nicht auf einen Aspekt ihres Lebens, einen Tag im Jahr oder motivierende Sprüche im Internet zu reduzieren, sondern ihnen Tag für Tag, die Möglichkeit zu geben, mehr zu sein als nur Flüchtlinge.

Meine Mutter bedankt sich mittlerweile jedes Jahr bei uns, dass wir ihre Kinder sind. Dafür ist sie lieber dankbar als für Blumen oder schlechte Gedichte einmal im Jahr.

Tun wir doch dieses Jahr einmal nicht so, als würden uns andere interessieren, indem wir sie reduzieren. Schaffen wir eine Welt, in der es keinen Weltflüchtlingstag braucht.

 

ANMERKUNG: Natürlich sollen damit in keiner Weise die gesamten und in Summe sehr sinnvollen Versuche der UN geschmälert werden, mit dem Thema Flucht entsprechend umzugehen.

 

  • Melina, Juni 2018
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Kochen im Kulturcafé – Frauen, Männer, Herkunft und Karotten

Der in Griechenland aufgewachsene Araber schält und schneidet seine Karotten falsch und erntet eine Rüge von der freundlichen Afghanin. „Ich mache nur, was sie mir sagt.“, zuckt er mit der Schulter. „Nein gut!“, schimpft sie. Der ältere afghanische Herr macht einen Scherz und sie bewirft ihn lachend mit einem Abfallschnippel: „Geh nachhause.“. Wir lachen alle darüber, dass Frauen in Österreich „stark“ sind…. wir reden über „viele Chefs“ (neue Helferinnen) im Kulturcafé, lachen wieder. „Ich bin ein guter Araber. Ich habe schon gut Deutsch gelernt.“. Er schneidet weiter an seinen Karotten, jetzt richtig, und deutet mit dem Messer: „Und jetzt habe ich auch arbeiten gelernt. Ich bin ein guter Araber.“ Wir lachen.

    • Mona, Juni 2018

 

Vom Weitermachen, Zusammenhalt und 7 Minuten Chaos im Audimax (Schutzbefohlene Performen Schutzbefohlene)

Melina, 21.04.2016

Draußen scheint die Sonne, der Himmel ist blau, die Gesichter tauen auf und deshalb fällt es mir nicht leicht, wieder an den Donnerstag im Audimax zu denken. Ich saß in der zweiten Reihe, als plötzlich „Identitäre“ in den Saal stürmten. Dieser Text ist NICHT für sie. Er ist NICHT für jene, die versuchen, den Lauf der Dinge aufzuhalten. Er ist für jene, die ihn vorantreiben. Für die, die weitermachen, sich nicht einschüchtern oder unterkriegen lassen – von der Politik, den Medien, oder Nebenprodukten des Faschismus und Nationalstaats. Ich will nicht von 7 Minuten Chaos sprechen sondern von dem, was danach passiert ist.

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Ich unterrichte Deutsch, weil ich Angst habe…

04.03.2016 Geri

Ich unterrichte Deutsch, weil ich Angst habe…

Ein Studienkollege von mir (ein Psychologiestudent) meinte gestern zu mir, er verstehe, warum ich bei „Deutsch Ohne Grenzen“ so engagiert sei. Er hätte nämlich diese sinnlose Theorie, ich hätte von den Medien viel Angst bekommen und würde mich vor die Gruppe stellen, um mich zu beruhigen und diese Angst im weiteren Folge zu „besiegen“.

„SO EIN SCHWACHSINN!“ – dachte ich mir in dem Moment…

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Mein erster Monat als Deutschlehrer bei DoG

Kit, 22.02.2016

Zu DoG bin ich gekommen dank einer Vorstellung der AMSA, der Studienorganisation an der MedUni Wien. Es wurden nahezu alle Organisationen vorgestellt, die sich für Flüchtlinge in Wien einsetzen. Unter all den Möglichkeiten fand ich DoG am interessantesten, da für mich die Landessprache die Basis zur Integration darstellt. Sprachkurse anzubieten, um motivierte Flüchtlinge unkompliziert und informell zu unterstützen, finde ich höchst sinnvoll. Read More

Von Frauenfeindlichkeit, Vorurteilen und Deutschkursen

Melina, 22.02.2015

Vor etwa einem Monat war ich zum ersten Mal beim Unterricht direkt im Erstaufnahmezentrum. Seit zwei Wochen waren die Medien überschwemmt mit Meldungen über Köln. Täglich las ich mindestens 3 Mal von Vergewaltigungen, Berührungen, von Respektlosigkeit und kulturellen Differenzen. Und jedes Mal sagte ich mir: So ein Blödsinn. Unsere Schüler sind der absolute Gegenbeweis. Sie sind nicht die Ausnahme – sie beweisen: Köln ist die Ausnahme. Oder Köln ist die traurige, kulturübergreifende, alljährliche Regel und hat mehr mit unserer Gesellschaft zu tun als einer „fremden“.  Read More

REDEN wir mal Klartext

Geri, 22.11.2015

Die Stimmung in unseren Kursen steht an der Kippe. Unsere Jungs haben wieder Angst um ihre Zukunft. Sie fühlen sich wohl hier, haben Freunde, viele haben einen Schulplatz, unterhalten sich problemlos auf Deutsch. Doch sie lesen Berichte, über Maßnahmen und Pläne. Sie kriegen Debatten mit. Es wird ihnen in einer Woche gesagt, sie wären vielleicht nächste Woche nicht mehr da. Vielleicht kommen sie nach Vorarlberg, Salzburg – oder…zurück. Read More

KSA und Handys im Kulturcafé

Alisal, Aleksander, Christina, 01.11.2015

So viel wird über Flüchtlinge geschrieben, so viel gelesen, so viel spekuliert, aber selten wirklich erlebt. Aber in manchen Orten und für manche Menschen gehören sie seit vielen Monaten zu ihrer (fast) alltäglichen Realität. Zum Beispiel im Jugendzentrum an der Baumgasse, in welcher sich die Gruppe für Deutsch ohne Grenzen regelmäßig trifft.

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